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Selbsterklärung: Warum ich kein "Spinner" bin

Thorwald C. Franke
© 04. Mai 2019


Wer die Frage nach der Realität von Platons Atlantis stellt, erregt Fragen und Misstrauen:

"So etwas tun doch nur Spinner, die ein Rad ab haben!"
"Na, von Rationalität und Wissenschaft kann der ja nicht viel halten!"
"Hat er was zu verbergen? Womöglich eine esoterische oder politische Spinnerei?"

Diese Fragen sind lästig, aber auch verständlich, denn unter Atlantisbefürwortern gibt es tatsächlich nicht wenige "Spinner".
Die folgende Selbsterklärung soll helfen, diese Fragen auszuräumen.
Es gibt weder etwas zu verbergen, noch wird klaren Bekenntnissen ausgewichen.


1. Rationalität und Wissenschaftlichkeit.

Eine Suche nach Atlantis gegen die Regeln von Rationalität und Wissenschaft wäre sinnlos. Jede These zu Atlantis muss einer rationalen Kritik standhalten können. Damit kommt die Suche nach Atlantis schnell zu einem vorläufigen Zwischenergebnis: Atlantis kann kein realer Ort gewesen sein, wenn wir die Beschreibungen Platons wörtlich nehmen.

Allerdings ist es unwissenschaftlich, Platons Beschreibungen wörtlich zu nehmen. Eine wissenschaftliche Interpretation muss natürlich eine historisch-kritische Interpretation sein: Platon könnte Atlantis einerseits erfunden haben, er könnte aber andererseits auch tatsächlich einen realen Ort gemeint haben. Denn die unrealistischen Aspekte von Atlantis entsprechen den unrealistischen Aspekten in anderen antiken Texten, von denen wir wissen, dass es sich um Irrtümer und Überlieferungsfehler handelt, und nicht um Erfindungen.

Thorwald C. Franke hält Platons Atlantis für eine verzerrte Wiedergabe einer historischen Überlieferung von der Insel Sizilien zur späten Bronzezeit (ca. 1200 v.Chr.). Der Ort Atlantis und seine Funktion in Platons Atlantiserzählung sind damit real, und gleichzeitig ordnet sich Atlantis auf vernünftige Weise in den bekannten Ablauf der Geschichte ein.


2. Wissenschaft und Wissenschaftsbetrieb.

Die größtmögliche Annäherung an das Ideal der Wissenschaft realisiert sich in dem universitär organisierten Wissenschaftsbetrieb, der deshalb unverzichtbar ist. Zwar ist auch dieses System seiner Natur nach stets unvollkommen, Defizite müssen jedoch im Rahmen dieses Systems behoben werden, nicht gegen das System. Wissenschaftliche Irrtümer haben in aller Regel keine "Verschwörung" als Ursache, sondern sind kollektive Irrtümer, in die sich der Wissenschaftsbetrieb Schritt für Schritt hineingesteigert hat.

Beiträge von Minderheiten und Außenstehenden müssen das langfristige Ziel haben, vom universitär organisierten Wissenschaftsbetrieb rezipiert, diskutiert und womöglich akzeptiert zu werden. Eine abweichende Meinung zum universitär organisierten Wissenschaftsbetrieb ist legitim, solange sie den Grundsätzen der Rationalität und Wissenschaftlichkeit verpflichtet ist.


3. Politik, Religion und Weltanschauung.

Atlantis wurde von Platon als exemplarischer failed state aufgefasst und kann deshalb kein politisches Vorbild sein. Auch Platons Idealstaat ist zu abstrakt, um ein konkretes politisches Vorbild sein zu können. Die Grundlagen einer guten Politik sind Humanismus und Aufklärung. Alle Menschen sind gleich an Würde, Rechten und Pflichten, unabhängig von ihrer z.B. durch Bildung oder genetische Ausstattung begründeten Ungleichheit. Eine offene Gesellschaft, Gewaltenteilung und die Staatsform der Republik, heute oft auch Demokratie genannt, ist zu befürworten. Eine Übertreibung des nationalen oder sozialen Gedankens in Nationalismus und Sozialismus ist von Übel.

Die Bedeutung von Atlantis ist rein historisch. Es ist abzulehnen, Atlantis eine religiöse oder weltanschauliche Bedeutung beizumessen. Thorwald C. Franke ist kein Mitglied einer politischen Partei, Religions- oder Weltanschauungsgemeinschaft. Eine rationale Philosophie führt den Einzelnen zu einem individuellen Denken jenseits traditoneller Religionen oder materialistischer und atheistischer Weltanschauungen.

Von 2013 bis 2016 unterstützte Thorwald C. Franke die politische Partei "Alternative für Deutschland" (AfD), zeitweise auch als Mitglied. Die AfD wurde 2013 durch Prof. Bernd Lucke als eine demokratische Partei gegründet, um gegen eine falsche Wirtschafts- und Währungspolitik in der Europäischen Union zu protestieren. Nachdem die Mitgliederbasis die Partei immer weiter Richtung Rechtsaußen drängte, verließen immer mehr demokratisch gesinnte Mitglieder die Partei. Die AfD von heute ist eine völlig andere Partei als die AfD von damals.


4. Rassismus?

Es ist abzulehnen, der ethnischen Zugehörigkeit der Atlanter eine besondere Bedeutung zuzuschreiben, oder Atlantis gar als den Ursprungsort einer "Rasse" zu interpretieren. Es gilt die Evolutionstheorie von Charles Darwin. Der Ursprungsort der Menschheit liegt gemäß der Out-of-Africa-Theorie in Afrika. Auch die Idee der Herkunft einer „arischen Rasse“ aus dem „Norden“ oder z.B. aus der Himalaja-Region ist abzulehnen.

Auch eine mögliche indoeuropäische Herkunft der Atlanter ist ohne besondere Bedeutung. Zudem ist eine Deutung von Indoeuropäern bzw. Indogermanen als "Germanen", noch dazu in einem rassistischen Sinn, abzulehnen. Insbesondere hat die indoeuropäische Sprachfamilie nichts mit einer "arischen Rasse" aus dem "Norden" zu tun. Es handelt sich um eine Sprachfamilie, deren Ursprungsort entsprechend den aktuellen Theorien der Wissenschaft irgendwo im Umkreis des Schwarzen Meeres liegt. Die Bezeichnung "indoeuropäisch" ist zu bevorzugen, denn „indogermanisch“ ist irreführend: In Europa gehören z.B. auch Slawen und Kelten zur indoeuropäischen Sprachfamilie, nicht nur germanische Völker. – Der Begriff „Arier“ zur Bezeichnung der Indoeuropäer ist veraltet, nicht sachgerecht, und durch den Nationalsozialismus dauerhaft negativ besetzt. Allerdings ist nicht jede Verwendung der Worte „Arier“ bzw. „arisch“ falsch oder verwerflich, insbesondere nicht vor der Zeit des Nationalsozialismus; es muss jeweils der Einzelfall geprüft werden. Noch Thomas Mann verwendete den Begriff "Arier" in seinem Roman "Joseph und seine Brüder" ohne Bedenken.

Die Evolutionstheorie darf nicht sozialdarwinistisch fehlinterpretiert werden. Es ist falsch, den verschiedenen Menschenrassen einen unterschiedlichen „Wert“ zuzuschreiben. Zivilisierte Völker definieren sich durch ihre kulturellen Eigenschaften, nicht durch ihre Genetik. Die Intelligenz des Einzelnen ist gemäß dem aktuellen Stand der Wissenschaft teils durch Genetik, teils durch Erziehung und Umwelteinflüsse bedingt. Der Mensch kommt weder als unbeschriebenes Blatt zur Welt, noch ist sein Wesen unabänderlich determiniert. Statistische Aussagen über Gruppen von Menschen sind legitim und nützlich, dürfen aber nicht fehlinterpretiert werden.


5. Klassischer Humanismus.

Die eigentliche Bedeutung der Interpretation von Atlantis als einem realen Ort liegt nicht so sehr in der durchaus wünschenswerten Auffindung von Atlantis, sondern in der richtigen Interpretation der Philosophie Platons. Die Philosophie Platons liegt der Kultur von Humanismus und Aufklärung zugrunde: Sie richtig zu verstehen ist ein Wert an sich.

Die Philosophie kann durch ihren Rationalismus jede Kultur in eine Kultur des Humanismus und der Aufklärung, d.h. in einen Teil der zivilisierten Welt, verwandeln. Ihr Ursprungsort ist hauptsächlich die klassische Antike. Er liegt nicht im Norden, auch nicht im Osten, ebenso nicht im Westen, und wiederum nicht im Süden, sondern in der Mitte: Mitten am Mittelmeer, an der Westküste Kleinasiens, in Griechenland und Süditalien, in Athen, Rom und Alexandria. Dieser Ort liegt weder in „vorsintflutlichen“ Urzeiten noch in der Gegenwart, sondern auch hier in der Mitte von beidem.

Die klassische Antike ist kein exklusives Erbe der christlich geprägten Welt ist, die deshalb keine prinzipielle Vorrangstellung vor anderen Kulturen beanspruchen kann. Die klassische Antike steht allen Kulturen der Welt offen, als Erbe der ganzen Menschheit angenommen zu werden. Allerdings ist es zugleich ein moralisches Gebot für alle Kulturen dieser Welt, dieses Erbe tatsächlich auch anzunehmen und sich dem humanistischen Geist zu öffnen. Denn eine zutreffende Erkenntnis der Wirklichkeit von Welt und Mensch ist unter Zurückweisung dieses Erbes nicht möglich – auch deshalb, weil niemand, der einmal ein Rad gesehen hat, das Rad ein zweites Mal erfinden kann. Eine Kultur, die sich diesem Erbe verweigert, verharrt auf einer niedrigeren Stufe der menschlichen Entwicklung und kann zu einer Gefahr für die entwickelte Welt werden.


Man beachte auch die "Charta der Atlantis-Forschung" von 2006.



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